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Sonntag, 12. September 2010

Jugendfeuerwehr: 42 Stunden Berufsfeuerwehr spielen

Einsätze am laufenden Band - beim Berufsfeuerwehrwochenende der Jugendfeuerwehr Volkmarsen kamen die 23 Jugendlichen kaum zur Ruhe.

Über Nachwuchssorgen kann man in der Volkmarser Jugendfeuerwehr nicht klagen. Und das liegt an den vielen Aktionen, Betreuer Johannes Hänle, Alexander Frei, Andreas Dippel, Tobias Henkelmann, Matthias Riehl und Torsten Tegethoff im ganzen Jahr für die Jugendlichen organisieren. Ein Berufsfeuerwehrwochenende wie es an den vergangenen drei Tage stattfand, ist dabei das Highlight für den Brandschutznachwuchs.

Pünktlich um 17 Uhr begann am Freitag Nachmittag der "Wochenenddienst" für das Berufsfeuerwehrwochenende für die angehenden Feuerwehrfrauen und -männer. Mit Luftmatratze und Schlafsack bepackt zogen 23 Jungen und Mädchen gemeinsam mit ihren Betreuern in den Stützpunkt im Wiedelohweg ein.

Der "diensthabende Schichtleiter" und Jugendfeuerwehrwart Johannes Hänle teilte die Fahrzeugbesatzungen ein und direkt nach dem gemeinsamen Abendessen schrillte dann auch schon die Alarmglocke: "Achtung, Achtung, Einsatz für die Feuerwehr Volkmarsen - brennt Industriehalle in Volkmarsen" schallte die Durchsage aus der eigens für das Wochenende installierte Lautsprecheranlage.
Der Adrenalinspiegel stieg rasant, die Einsatzkräfte rüsteten sich aus und besetzten die Fahrzeuge. Gemeinsam mit den Helfern der Einsatzabteilung ging es mit 4 Fahrzeugen zur Firma Caema-Verladesysteme im Volkmarser Industriegebiet. Ein verwirrter Mitarbeiter rannte auf die eintreffenden Helfer zu und berichtete von 4 weiteren Kollegen in der durch zwei Nebelmaschienen völlig verqualmten Fertigungshalle. Die Jugendlichen reagierten schnell, rüsteten sich mit Atemschutzgeräten, Schlauch, Rettungsleinen und Beleuchtungsgerät aus und drangen in die Halle vor. Nach und nach wurden die vier "verletzten" Mitarbeiter aus der Halle gerettet und der inzwischen eingetroffenen Schnelleinsatzgruppe des DRK Korbach-Bad Arolsen übergeben. Währenddessen stellten die anderen Einheiten die Wasserversorgung über einen Hydranten her, nahmen mehrere Strahlrohre zur Brandbekämpfung vor und sorgten wegen der Dämmerung mit vier Strahlern für eine gut beleuchtete Einsatzstelle.

Nach so einem anstrengenden Einsatz waren die Jugendlichen dann froh, eine ruhige Nacht verbringen zu dürfen, bevor am Samstag Vormittag gleich nach dem Frühstück "Feuerwehrsport" auf dem Programm stand. Der nächste lang ersehnte Einsatz kam dann direkt nach dem Mittagessen:

Die Brandmeldeanlage an der Stadthalle hatte ausgelöst und die Jugendlichen eilten auf den Stadtbruch. Nach umfangreicher Kontrolle stellte sich heraus, dass es sich - wie häufig im wirklichen Feuerwehralltag - lediglich um einen Fehlalarm handelte.

Kaum war der Einsatz abgearbeitet, ging erneut ein Alarm ein: Diesmal hatte ein Fahrzeug im Industriegebiet Öl verloren. Fachmännisch wurde die Ölspur abgestreut und die Fahrbahn gereinigt.

Dann ging es Schlag auf Schlag: Für die nächste Aufgabe - eine Erstversorgung eines Verletzten - rückte zunächst nur ein Fahrzeug aus: An der Hollenkammer bei Lütersheim wurde eine verletzte Person gemeldet, die von den dortigen Felsen gestützt war. An der Einsatzstelle angekommen, stellten die Jugendlichen schnell fest, dass sie wegen des unwegsamen Geländes Verstärkung benötigten. Weitere Einsatzkräfte rückten an und retteten die verletzte Personen mit der Schleifkorbtrage.

Nach so einem einsatzreichen Nachmittag brachte das Abendessen etwas Ruhe in den Arbeitstag. Die Teller waren noch nicht gespült, da wurde am "Brausewehr" starke Rauchentwicklung gemeldet. Mit Saugkorb und Saugschläuchen entnahmen die Jugendlichen das Wasser aus der nahegelegenen Twiste und löschten das Feuer an der gut ausgeleuchteten unwegsamen Einsatzstelle mit sechs Strahlrohren.

Die erste Nacht war ruhig, die zweite sollte es nicht werden. Um 22 Uhr wurde Mannschaft in erhöhte Alarmbereitschaft gesetzt: Es gab eine Unwetterwarnung für die Region. Doch mit drei Einsätzen in nur 6 Stunden hatte wohl keiner gerechnet: Um Mitternacht riss der Alarm die Jungen und Mädchen aus dem Schlaf: "Baum auf Fahrbahn" hieß es über die Lautsprecher. Im Wattertal musste die Straße abgesichert und ausgeleuchtet werden, zwei Bäume, die die Fahrbahn blockierten, wurden mit Handsägen zerlegt und entfernt.

Kaum lagen die Kids wieder in ihren Schlafsäcken, mussten sie erneut raus: diesmal wurde am Staubecken in Ehringen starke Rauchentwicklung gemeldet. Mit Rauchgranaten wurde ein Flächenbrand nach Blitzeinschlag simuliert: Ausleuchten und Ablöschen waren die Aufgaben.

Endgültig zu Ende war die Nacht dann morgens um 6 Uhr: Personensuche - zwei Personen wurden nach einer Feier an der Grillhütte am Sauerbrunnen vermisst. Systematisch durchkämmten die Jugendlichen das Waldgebiet rund um die Grillhütte. Nach einer Stunde wurde eine bewusstlose Person gefunden - die Rettung erfolgte mit der Schleifkorbtrage. Die zweite Person wurde zwischenzeitlich" auf der Fahrbahn laufend" entdeckt.

Ziemlich erschöpft ging am Sonntag Morgen ein interessantes, lehrreiches aber anstrengendes Wochenende zu Ende. Wie im Berufsfeuerwehralltag auch wurden am Morgen die Räume aufgeräumt, die Fahrzeuge gewaschen und der Dienstschluss herbeigeseht. Eine Ablösung kam allerdings nicht. Die Jugendlichen hatten viel Spaß, konnten das im Laufe des Jahres Erlernte praktisch anwenden und haben viele Einblicke in das Alltagsleben der Feuerwehr mit ihren verschiedenen Aufgabengebieten erhalten. Die Jungen und Mädchen der Volkmarser Jugendfeuerwehr freuen sich schon auf den nächsten Dienst - in dieser Art allerdings erst wieder im nächsten Jahr.

Wer in der Jugendfeuerwehr mitmachen will, ist herzlich willkommen. Die Jugendlichen müssen zwischen 10 und 17 Jahren alt sein. Treffen ist immer mittwochs von 17.30 - 19.30 Uhr am Feuerwehrstützpunkt Volkmarsen.

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